FDP-Kandidatin Andrea Kanold beim Redaktionsgespräch der Südwest-Presse

Apothekerin Andrea Kanold will für die FDP in den Landtag einziehen. Ihre politischen Schwerpunkte sieht die Kreisvorsitzende der Liberalen und Bad Dürrheimer Stadträtin in der Schulpolitik und in der Gesundheitspolitik.

Lesen Sie hier den Artikel aus der Südwest-Presse vom 01.03.2016

Villingen-Schwenningen. „Ich bin Unternehmerin und keine Politikerin im eigentlichen Sinn“, stellt sich Kanold vor. Was sie damit meint: Polemisches Zuspitzen und einfache Lösungen für komplexe Probleme sind nicht ihr Stil. „Ich tue mich nicht leicht damit, Dinge, die komplex sind, verkürzt zu formulieren. Es ist eben nicht alles schwarz oder weiß, es ist auch vieles grau“, sagt Kanold.

Vielleicht auch deshalb ärgert sie sich besonders über die AfD, deren Parteiprogramm sie „an die Zeit vor 1933 erinnert“. Zwar analysiere die AfD die Situation, dass zu viele Flüchtlinge nach Deutschland kämen, durchaus richtig, „aber sie ziehen die falschen Schlüsse und bringen als Lösung nur einfache Polemik.“ Um die Zahl der Flüchtlinge zu reduzieren, will Kanold die Außengrenzen der EU besser sichern und eine Residenzpflicht für Flüchtlinge einführen, damit die sich „nicht einfach auf dem Land verflüchtigen.“ Dass die AfD der FDP Stimmen wegnimmt, glaubt die Liberale nicht: „Den Stand, den wir jetzt in den Umfragen haben, den haben wir uns selbst erarbeitet, als es die AfD bereits gab.“

Redaktionsgespräch in der Südwest-Presse mit FDP-Kandidatin Andrea Kanold

Redaktionsgespräch in der Südwest-Presse mit FDP-Kandidatin Andrea Kanold

Lieber als über die AfD und die Flüchtlingspolitik spricht Kanold über Schulpolitik. Hier kritisiert die ehemalige Elternbeirätin die grün-rote Landesregierung, die die Schulen „zum ideologischen Spielball“ habe werden lassen. Sie kritisiert – abweichend von der Parteilinie – das noch von der schwarz-gelben Regierung eingeführte achtjährige Gymnasium, das „Herabsetzen des Leistungsniveaus der Realschulen“ und die Einführung des verbindlichen Ganztagesunterrichts in der Gemeinschaftsschulen.
„Die Lehrer wollen Ruhe in der Schulpolitik, Verlässlichkeit und Planungssicherheit“, sagt Kanold. Deshalb wolle sie weder das G 8 noch die bestehenden Gemeinschaftsschulen abschaffen, aber die beruflichen Gymnasien stärken – als Ausweg für die Schüler, die vom Turboabitur überfordert sind. „Die Eltern sollen die Wahl haben, auf welche Schule sie ihr Kind schicken wollen. Deshalb muss die Bevorzugung bestimmter Schultypen über die finanziellen Zuschüsse des Landes aufhören“, sagt Kanold. „Ich habe drei unterschiedliche Kinder. Dem einen hätte die Gemeinschaftsschule gut getan, dem anderen eher nicht“, sagt Kanold.

Die FDP sieht Kanold als die „Partei der wirtschaftlichen Vernunft“, man müsse beim Ausgeben von Geld auch daran denken, wer dieses Geld durch höhere Steuern erwirtschaftet, deshalb hätten die FDP-Fraktionen in Bad Dürrheim und Villingen-Schwenningen auch jeweils die städtischen Haushaltsentwürfe abgelehnt. Dennoch fordert Kanold mehr Investitionen in den Straßenbau und in den Ausbau des schnellen Internets.

Für die Landtagswahl hat Kanold sich das Ziel „Sieben Prozent plus plus“ vorgenommen. Dafür betreibt sie auch in den sozialen Medien wie etwa auf Facebook einen sehr aktiven Wahlkampf. Häuserwahlkampf will sie dagegen nicht machen, weil das sehr arbeitsintensiv ist. „Ich habe auch noch ein Geschäft.“ Ihre Apotheke will Andrea Kanold auch behalten, wenn sie in den Landtag einzieht. „Diesen direkten Kontakt zum Wähler bekomme ich sonst nirgends. Das lasse ich mir auch nicht nehmen.“

Bedingt durch ihren Beruf ist ihr auch die Gesundheitspolitik ein besonderes Anliegen, etwa die Frage, wie die gesundheitliche Versorgung auf dem Land in Zeiten des Hausärztemangels beibehalten werden kann. „Telemedizin kann hier eine Lösung sein, dazu müsste aber der digitale Ausbau vorangehen“, sagt Kanold. Bleibt zwischen Wahlkampf und Beruf noch Zeit für Hobbys? „Ich versuche, morgens zu laufen und fahre gerne Fahrrad“, sagt Kanold. Auf weitere Reisen in ihr Lieblingsland Irland verzichte sie zur Zeit wegen des Wahlkampfs.

Als letztes Buch habe sie Gaby Hauptmanns „Frauenhand auf Männerpo“ gelesen, das sie sich bei einer Lesung der Autorin gekauft habe. „Ich lese so viel Fachliteratur und Politisches. Da tut ein wenig leichte Literatur zur Entspannung gut. Die Politik ist traurig genug“, sagt Kanold. mdz

,